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«Die Limmattalbahn macht aus der Agglo eine attraktive Stadtregion»

Foto: Severin Jakob

Aus Limmattal wird Limmatstadt: Jasmina Ritz, Geschäftsführerin der Limmatstadt AG, erklärt die Idee, eine ganze Region neu zu deuten.

Dieses Interview ist in der November-Ausgabe von «Baden aktuell» erschienen. Die Fragen hat Sara Lisa Schäubli gestellt.

Jasmina Ritz, was ist die Limmatstadt?

Mehr als nur ein Synonym für Baden und Zürich! Der Begriff Limmatstadt steht für die ganze Region entlang der Limmat. So gesehen befindet sich das Limmattal nicht am Rande von zwei Städten, sondern in deren Zentrum und bildet ein Ganzes. Dieser Perspektivenwechsel ist zentral. Die Limmatstadt mit ihren rund 20 Städten und Gemeinden hat, was viele andere Regionen nicht haben: Raum für mehr.

Limmattal wird Limmatstadt: Woher die Idee einfach eine ganze Region neu zu deuten?

Das ist eine logische Konsequenz aus der Entwicklung der letzten 20 Jahre. Das Limmattal verbindet man mit einer klassischen Agglomeration: Industriestandort, Fachmärkte, Verkehrsachse. Die Realität ist heute eine andere. Die Region bildet mit ihren Kontrasten und ihrer Vielfalt eine räumliche Einheit, eingebettet in den Limmatraum und die Hügelzüge. Mit der Limmattalbahn erhält die Region zudem einen städtischen Verkehrsträger. Zeit auch für ein neues Selbstverständnis. Limmatstadt ist ein Statement.

«Es hat wenig Gewicht, wenn die Stadt Baden in Bern anklopft. Wird aber eine ganze Region vorstellig, steigt der Druck.»

Warum ist die Stadtregion Limmatstadt auch für Badener:innen interessant?

Auch die Stadt Baden profitiert davon, wenn sie als Teil einer attraktiven Region und nicht als Stadt in der Agglo wahrgenommen wird. Die Gemeinden in der Region sitzen alle im gleichen Boot, deswegen lohnt es sich Kräfte zu bündeln. Es hat wenig Gewicht, wenn die Stadt Baden in Bern anklopft. Wird aber eine ganze Region vorstellig, steigt der Druck. Letztlich ist es auch im Sinn der Bürger:innen, dass Gemeinden ihre Mittel sinnvoll und gemeinsam einsetzen. Genau diese Überzeugung repräsentiert die Limmatstadt

In der Mitte der Limmatstadt verläuft die Kantonsgrenze Zürich-Aargau. Inwiefern ist das ein Hindernis für die Region?

Politische Grenzen entsprechen nicht mehr den Lebensrealitäten. Sie fragmentieren unsere Region in Puzzlestücke. Das verhindert grösseres Denken und Handeln. Aber genau dieser Gesamtblick ist im Wettbewerb der Regionen nötig angesichts Herausforderungen wie Verkehrslösungen. Selbst die Zeitung berichtet nur bis zur Grenze. Ein Dietiker hat keine Ahnung, was in Wettingen läuft, obwohl das eine innerstädtische Distanz ist. Wenn man darüber nachdenkt ist das doch völlig absurd.

«Da wo Schienen sind, entsteht Stadt.»

2022 wird die Limmattalbahn eröffnet und verbindet fortan Zürich-Altstetten mit Killwangen-Spreitenbach. Was ändert sich dann?

Das Tram schafft Verbindungen zwischen Orten, Menschen, Arbeitsplätzen über die Kantonsgrenze hinaus. Es ist aber viel mehr als ein Transportmittel: Da wo Schienen sind, entsteht Stadt. Es macht aus der Agglo eine attraktive Stadtregion. Um jede Haltestelle herum werden neue Angebote entstehen. Das Tram wirkt aber auch als Imageträger und Identitätsstifter. Es ist ein klares Bekenntnis für die Wichtigkeit der Region.

Kann auch die Badener Wellness-Therme Fortyseven ein solches Projekt mit Strahlkraft werden?

Selbstverständlich! Das Botta-Bad ist für die ganze Region ein wichtiger Standortfaktor. Umgekehrt liefert aber auch die Region ein enormes Potenzial für das Bad: 200 000 Menschen leben in der gesamten Limmatstadt, die Kundschaft ist also direkt vor der Haustüre. Wer wirtschaftlich denkt, tut gut daran, die Region ganzheitlich zu verstehen.

Die Limmatstadt ist nicht nur ein Synonym für das Limmattal, sondern auch der Firmenname der Limmatstadt AG. Können Sie kurz erklären, was deren Zweck ist?

Unsere Mission ist es, die Gesamtregion langfristig zu stärken indem wir sie vernetzen und nicht als Flickenteppich von Gemeinden, sondern als Limmatstadt positionieren. Diese Überzeugung teilen unsere 13 Auftragsgemeinden und rund 170 Aktionär:innen. Wir bringen die Region über die politischen Grenzen zusammen, machen Angebote bekannt, siedeln Firmen an und feilen am Image. Die Limmatstadt ist mehr als die Summe der einzelnen Städte und Gemeinden.

Nächtlicher Blick vom Limmat Tower in Dietikon auf Limmatfeld und Gleise. Foto: Ralf Turtschi

Turgi ist schon Auftragsgemeinde. Wie sieht es mit der Stadt Baden aus?

Mit dem Standortmarketing haben wir eine Netzwerkpartnerschaft und mit dem Wirtschaftsförderer tauschen wir uns regelmässig aus. Das Potenzial ist aber viel grösser: Dass Baden – das sich ja als Limmatstadt versteht – dabei sein will, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Und nicht zuletzt ist es eine Chance für Baden, eine starke Rolle in der Limmatstadt zu spielen.

Wird sich daran nach der geplanten Fusion mit Turgi etwas ändern?

Ich hoffe natürlich, Baden wird vorher Mitglied! Turgi hat das Potenzial bereits erkannt und ist ein aktiver Teil der Limmatstadt. Ziel ist nicht eine politische Einheit, vielmehr das Mitwirken aller Gemeinden für eine starke Region.

Abgesehen von der Politik: Wie kann jede:r Einzelne Teil der Limmatstadt werden?

Die Limmatstadt AG präsentierte diesen Sommer den neuen Auftritt für die Region: «Limmatstadt. Raum für mehr.» Der Raum für mehr zeigt das Potenzial und die Vielfalt der Region und soll zu einem Wir-Gefühl beitragen. Limmatstädterinnen und Limmatstädter sind also all jene, die diesen Raum füllen und mitgestalten.