Titelbild des Artikel: «Durch die Krankheit hatte ich alles verloren, habe aber auch viel Neues erhalten.»

«Durch die Krankheit hatte ich alles verloren, habe aber auch viel Neues erhalten.»

Foto: Anna Maier, keinhochglanzmagazin.com

Mit Social Media Tabus brechen

Silvia Meier Jauch leidet seit Jahren an einer Autoimmunkrankheit. Mit vielen Aktivitäten hat sie sich ihren Platz im Leben erkämpft und ermuntert andere Erkrankte, ebenfalls einen guten Weg zu finden. Um Erkrankte zu unterstützen, hat sie 2018 zusammen mit Roger Seger den 1500 Mitglieder zählenden Verein für Menschen mit einer Autoimmunerkrankung und Handicap (MIAH) gegründet.

Was ist die Motivation hinter Ihrer Arbeit?

Silvia Meier Jauch: Ich möchte den Menschen mit chronischen Krankheiten und Handicaps zeigen, dass sie sich nicht als unzulänglich empfinden, sondern stolz auf das sein sollen, was sie täglich in ihrem Leben leisten – und das ist viel! Wenn man frisch und jugendlich aussieht, wird einem oft nicht geglaubt, dass man krank ist. Deshalb zeige ich mich auf meinem Blog bewusst auch, wenn ich einen Rheumaschub habe.

Wie hat sich Ihre Krankheit entwickelt?

Ab 2015 litt ich zunehmend unter starken Rücken- und Gelenkschmerzen. Die Ärzte fanden keine Ursache und behandelten mich mit Antidepressiva. Erst als ich steife Finger und Entzündungen in den Gelenken bekam, wurde Psoriasis- Arthritis diagnostiziert. Durch die Krankheit verlor ich alles und wurde sehr einsam. Die IV unterstützte mich anfänglich zwar, aber mir war klar, dass ich mir langfristig nur selber helfen kann.

Wie haben Sie das gemacht?

Ich habe mit einem Vlog auf meine Situation aufmerksam gemacht und MIAH gegründet. Meine Blogs und Vlogs auf Facebook und Instagram werden beachtet, ich habe dadurch viele Kontakte und Aufträge erhalten. Ich schreibe Texte für Firmen, das geht gut von zuhause aus. Eine Firma hat mich als Social-Media-Manager angestellt. Ausserdem hatte ich schon Aufträge als Handicap-Model. Durch die Krankheit hatte ich alles verloren, habe aber dafür auch viel Neues erhalten.

Inwiefern sind Sie im Alltag und bei Ihrer Arbeit eingeschränkt?

Ich kann fast nichts planen, da ich nie weiss, wann ein neuer Rheumaschub kommt. Eine schlechte Phase kann zwei bis drei Wochen dauern. Wegen der vielen Medikamente leide ich auch unter den Nebenwirkungen. Trotzdem mache ich, wenn immer möglich, täglich einen zwanzigminütigen Spaziergang. Wenn ich gute Tage habe, vergesse ich meine Leiden. Dann lebe ich ganz bewusst mit meiner Tochter und wir holen nach, was uns Freude bereitet.


Silvia Meier Jauch (37)

ist in Wettingen aufgewachsen. Nach einer Detailhandelslehre war sie im Büro tätig. Sie ist Parlamentsmitglied in Schlieren, Botschafterin der Rheumaliga Schweiz, Beldona Brand Ambassadorin als erstes Handicap- Model und Mutter einer 8-jährigen Tochter.

Verein für Menschen mit einer Autoimmunerkrankung und Handicap (MIAH)

facebook.com/MiahSchlieren


Weitere spannende Geschichten finden Sie unter Junge Macher*innen.

Bild von Dieter Minder

Dieter Minder

Redaktor «36 km» Das Magazin für die Limmatstadt und freischaffender Journalist

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Dieter Minder

Redaktor «36 km» Das Magazin für die Limmatstadt und freischaffender Journalist