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Über die Grenzen denken

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Dr. Markus Dieth

Regierungsrat Kanton Aargau Vorsteher Departement Finanzen und Ressourcen

Das Limmattal wächst zusammen. Markus Dieth* gibt einen Einblick in die öffentlichen und privaten Initiativen.

Herr Dieth, das Limmattal wird in der Planung als Einheit betrachtet, was heisst das? Die Planung über die Kantonsgrenze hinaus ist schwierig, die Verfahren sind unterschiedlich. Aber gerade das ist unsere grosse Chance.

Wie muss man das verstehen? Früher wurde in beiden Kantonen bis an die Grenze geplant. Was dahinter war, interessierte nicht. Das hat sich geändert, der Zürcher Planungsverband Limmattal (ZLP) und der Planungsverband Baden Regio sprechen intensiv miteinander.

Trotzdem, Stichworte wie Agglomerationspark, Blaues Band, Plattform Aargau Zürich (PAZ) sind eher eine verwirrende Vielfalt? Es ist wichtig, sich zu vernetzen und alle Ebenen zu verbinden. Ein Instrument dazu ist die PAZ, in der sich kantonale und kommunale Politiker, Planer und Leute der Verwaltungen treffen.

Was bringt der Agglomerationspark? Wie der Name sagt, wird das Limmattal als Park angesehen. Erholung und Freizeit stehen im Vordergrund. Die zentralen Elemente sind das Blaue Band, also die Limmat, die Höhenzüge Altberg/Lägern und Uetliberg/Heitersberg sowie sie verbindende Landschaftsspangen.

"Wichtig ist, dass private und öffentliche Akteure miteinander vernetzt sind und sich gegenseitig ergänzen."

Was ist eine Landschaftsspange? Sie ist eine naturnahe Verbindung der Höhenzüge und trennt die Siedlungsgebiete. Diejenige im Aargau, zwischen Wettingen/Würenlos und Killwangen/Neuenhof ist im Richtplan eingetragen. An der Landschaftsspange Hüttikerberg/Niederfeld Dietikon wird noch gearbeitet.

Reicht das schon? Aus der PAZ wurde auch die Perspektive Raumentwicklung Limmattal (Perl) der ETH Zürich angestossen. In ihr wird betont: „Das Limmattal kann sich nachhaltig entwickeln, wenn Gemeinden, Regionen, Kantone und der Bund an einem Strick ziehen.“ Sie zeigt damit deutlich, dass wir nur gemeinsam weiter kommen.

Was haben die Einwohner von soviel Planung? Sie können beispielsweise auf den neuen Radwegen durch das Limmattal fahren. Im Aargau liegt ihr das Velokonzept der Baden Regio zugrunde. Im Kanton Zürich prüft der ZPL ergänzend eine Veloschnellroute. Dieses Projekt nimmt eine Idee aus der Perl auf.

Können Sie ein weiteres Vorhaben nennen? Die Paraderolle kommt der Limmattalbahn zu. Sie wird die Limmattaler miteinander verbinden, die Gemeinden und Quartiere werden davon profitieren. Das kann man in Spreitenbach sehen, wo entlang des künftigen Trassees Wohn- und Gewerbebauten entstehen.

Führen die vielen Einzelprojekte nicht zu Wildwuchs? Um eine Übersicht über die politischen Aktivitäten zu schaffen, haben der ZPL und die Baden Regio mit den Kantonen und der Stadt Zürich die Regionale Projektschau Limmattal (RPS) lanciert. Sie initiiert, koordiniert und präsentiert ausgewählte Projekte 2020-2025 in einer kantonsübergreifenden Projektschau.

Welche Rolle spielen private Organisationen? Wichtig sind die wirtschaftsbezogenen Initiativen, wie die Limmatstadt AG oder Wirtschaftsverbände. Sie sind wesentlich agiler als die von der öffentlichen Hand getragenen Organisationen, spüren die Bedürfnisse der Einwohner und können unmittelbar darauf reagieren. Mit den privaten Initiativen wird der planerische Rahmen mit Leben erfüllt. Damit bringen sie dem Limmattal im Standortwettbewerb erhebliche Vorteile. Wichtig ist, dass private und öffentliche Akteure miteinander vernetzt sind und sich gegenseitig ergänzen.

*Markus Dieth war vor seiner Wahl zum Regierungsrat Gemeindeammann von Wettingen, Grossrat, Präsident des Planungsverbandes Baden Regio und Vizepräsident Regionale Projektschau Limmattal. Das Interview führte Dieter Minder, freischaffender Journalist und Redaktor «36 km» - Das Magazin für die Limmatstadt.

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