Titelbild des Artikel: «2017 startete erstmals ein Schweizer Team an der Challenge. Das wollte ich auch!»

«2017 startete erstmals ein Schweizer Team an der Challenge. Das wollte ich auch!»

Im Ruderboot über den Atlantik

Am 12. Dezember 2021 werden die Brüder Georg, Sebastian und Peider Stocker sowie ihr Cousin Matthias Odermatt auf der Kanareninsel La Gomera mit ihrem Ruderboot in See stechen, um etwa eineinhalb Monate später auf der Karibikinsel Antigua an Land zu gehen. Sie beteiligen sich an der jährlichen Talisker Whisky Atlantic Challenge. Mitte Dezember startet der Wettkampf, weil der Atlantik in den darauffolgenden Wochen am ruhigsten ist.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Georg Stocker: 2017 startete erstmals ein Schweizer Team an der Challenge. Es waren Grenadiere, und da ich auch Grenadier bin, habe ich die Reise fasziniert verfolgt: Das wollte ich auch! Meine Brüder und meinen Cousin konnte ich schnell dafür begeistern.

Wie bereiten Sie sich auf das Rennen vor?

Bedingung für die Teilnahme ist, dass man alles selber organisiert, plant und finanziert. Seit 2018 trainieren wir im Ruderclub Baden mindestens einmal pro Woche, im Sommer auf dem Stausee, im Winter auf der Rudermaschine. Ausserdem sind wir im Ausdauer- und Krafttraining. Wöchentlich sind es gegen 15 Stunden Training. Im September folgt in England einen Kurs in Funken, Navigieren, Erste Hilfe und Seerettung. Im Sommer 2021 wollen wir in den Niederlanden eine Woche auf dem Meer trainieren. Ein 24-Stunden-Training haben wir bereits hinter uns. Zwei ruderten im Clubhaus auf der Rudermaschine und zwei ruhten oder schliefen. Alle zwei Stunden haben wir uns abgelöst. Körper und Geist müssen sich an den Ablauf gewöhnen. Ich glaube, dass es vor allem nachts hart wird.

Junge Macher Limmattal Georg Stocker Helvetic Wave
Foto: Chris Iseli

Wie muss man sich das Boot vorstellen?

Es ist 1,5 Meter breit, 8,5 Meter lang, im Bug und Heck ist je eine Kabine für zwei Personen. Der Schwerpunkt liegt tief, damit es sich automatisch aufrichtet. Wir beabsichtigen, einem Team, das 2019 den Atlantik durchrudert hat, das Boot abzukaufen. Es wird mit einer automatischen Steueranlage ausgerüstet und hat für Notfälle eine Rettungsinsel. Um zu helfen, sind drei Jachten des Veranstalters unterwegs. Mit einem Notsignal könnten wir zudem das nächste Schiff alarmieren. In La Gomera wird das Boot kontrolliert, es darf nur eingewassert werden, wenn die Ausrüstung komplett ist und die Inspektionen bestanden sind.

Was wird Sie die Reise kosten?
Wir rechnen mit 175 000 Franken. Darin sind Kurse, Boot, Flug, Internetauftritt, Ausrüstung und Lebensmittel enthalten. Zur Finanzierung suchen wir Sponsoren. Diesen bieten wir Werbeflächen auf dem Boot, auf T-Shirts und bei Präsentationen oder Vorträgen nach der Reise an. Private können eine Meile finanzieren.


GEORG STOCKER (25)
ist in Wettingen aufgewachsen. Nach einer Lehre als Motorradmechaniker und der Rekrutenschule arbeitete er als Landschaftsgärtner. Nun studiert er Umweltingenieurwesen an der Fachhochschule Wädenswil. Momentan ist er 80 Kilo schwer. Weil der Körper während der Überfahrt rund 12 Kilo verlieren wird, muss er sein Startgewicht auf 90 Kilo erhöhen.

Die weiteren Ruderer: Sebastian Stocker (22), studiert Wirtschaftsingenieurwesen, Fachhochschule Nordwestschweiz; Peider Stocker (17), Maurerlehrling mit Berufsmatur, Wettingen, sowie Matthias Odermatt (20), Schreinerlehrling, Hunzenschwil.
helveticwaves.com


Weitere spannende Geschichten finden Sie unter Junge Macher*innen. Dieser Artikel ist Teil des «36 km» - das Magazin für die Limmatstadt.

Bild von Dieter Minder

Dieter Minder

Redaktor «36 km» Das Magazin für die Limmatstadt und freischaffender Journalist

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Dieter Minder

Redaktor «36 km» Das Magazin für die Limmatstadt und freischaffender Journalist