Die Galerie 94 in Baden präsentiert ab dem 27. November 2026 eine Doppelausstellung mit Werken
von Astrid Krehan und Thomas Gust. Unter dem Titel «The Journey» zeigt Astrid Krehan
sechs Serien, die den Lauf des Lebens in seinen unterschiedlichen Phasen nachzeichnen – von
Orientierungssuche und Entscheidung über Verbundenheit und Liebe bis hin zu Erfahrung, Weisheit
und Glück. Thomas Gust stellt unter dem Titel «Appearance» drei Werkgruppen vor, die
sich zwischen Fotografie und Malerei bewegen: zarte Polaroid-Aufnahmen auf handbeschichtetem
Awagami-Papier, mit Acrylfarbe überarbeitete Ansichten aus Hongkong sowie neu interpretierte
historische japanische Studiofotografien. Beide künstlerischen Positionen laden dazu ein,
Fotografie nicht als starres Abbild, sondern als lebendigen Resonanzraum für Erinnerung, Erfahrung
und persönliche Deutung zu erleben.
Astrid Krehan
Astrid Krehan ist eine deutsche bildende Künstlerin, die die Fotografie als Ausdrucksmittel
nutzt. Mit Farbe, Struktur und Muster als Grundlage ihrer künstlerischen Sprache schafft sie
visuelle Kompositionen, die den Betrachter dazu anregen, über den ersten Eindruck hinauszuschauen
und die gemeinsamen Fäden zu entdecken, die uns verbinden. Ihre Faszination für
Farbe begann während ihrer Waldorfausbildung, wo sie mit Goethes «Farbenlehre» in Berührung
kam. Durch den Kunst- und Physikunterricht entwickelte sie ein bleibendes Interesse an Farben,
Komplementärfarben und der Art und Weise, wie Farben die Wahrnehmung und Emotionen beeinflussen.
Später, während ihrer Karriere als Wissenschaftlerin, sah sie regelmässig Elektronenmikroskopaufnahmen,
die verborgenen Strukturen und komplexen Muster offenbarten und
ihre Sicht auf die Welt nachhaltig prägten. In Shanghai, wohin Astrid 2014 zog, verschmolzen
ihre Faszination für Farbe, Struktur und Muster, was es ihr ermöglichte, die Welt, wie sie
sie wahrnahm, in bildende Kunst zu übersetzen. Während der Corona-Pandemie wurde ihr kreativer
Prozess mit der Kamera zu einem therapeutischen Medium, das es ihr ermöglichte, sich vorübergehend
von der Aussenwelt abzukoppeln. Zudem verlagerte sich ihr Fokus auf das Umweltbewusstsein,
da dieses fast vollständig aus dem Blickfeld der Welt verschwunden war. Die Rückkehr nach Europa im
Jahr 2021 erweiterte ihre Perspektive erneut. Ausgehend von Erfahrungen
aus Ost und West zielen ihre Arbeiten darauf ab, kulturelles Verständnis zu fördern,
indem sie die Verbindungen aufzeigen, die hinter den offensichtlichen Unterschieden bestehen.
Artist Statement Astrid Krehan
Ich setze mich damit auseinander, wie wir die Welt wahrnehmen und welche Verbindungen hinter
den offensichtlichen Unterschieden bestehen. Ich bin davon überzeugt, dass sich Ost und West
durch gemeinsame Emotionen und Interessen begegnen, die uns alle verbinden. Mit meinen Werken
möchte ich Verständnis fördern und Menschen über kulturelle Grenzen hinweg miteinander
verbinden.
The Journey
Das Leben entfaltet sich in vielen Momenten auf unserem Weg, von denen jeder neue Möglichkeiten
mit sich bringt. «The Journey» vereint sechs Serien, die verschiedene Phasen widerspiegeln,
denen wir im Leben begegnen. Manchmal verändert sich unsere Wahrnehmung und die
Realität erscheint uns fremd. Manchmal befinden wir uns in einem Labyrinth und suchen nach
Orientierung, bis wir an einen Scheideweg gelangen, an dem eine Entscheidung getroffen werden
muss. Auf diesem Weg erleben wir Verbundenheit, Freundschaft und Liebe, die unserem Weg
jeweils mehr Tiefe verleihen. Mit jedem Schritt sammeln wir Erfahrungen. Durch diese Erfahrungen
gewinnen wir Weisheit, und mit dieser Weisheit beginnen wir, die Freude und das Glück
zu erkennen, die das Leben bereithält.
Thomas Gust
Die Galerie 94 präsentiert die Ausstellung «Appearance» mit Arbeiten von Thomas Gust. Erstmals
in Baden werden die drei Werkgruppen «Appearance», «Hong Kong Romance» und «Costumes
» gemeinsam präsentiert – drei fotografische Serien, die auf unterschiedliche Weise nach
dem Verhältnis von Erinnerung, Materialität und fotografischer Wirklichkeit fragen.
Alle drei Serien verbindet das Interesse an der Oberfläche des Bildes, zugleich verfolgen
sie unterschiedliche Wege. Während «Appearance» das fotografische Bild durch Licht, Reduktion
und Material in einen Schwebezustand zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion
überführt, erweitern «Hong Kong Romance» und «Costumes »die Fotografie durch malerische Eingriffe
zu neuen, hybriden Bildformen. Das Bild wird dabei zum Träger persönlicher und historischer
Erinnerungsspuren, von Sehnsucht, Verlust und Veränderung.
Appearance
In der Serie «Appearance» werden Landschaften, Bäume, Wasserflächen und Lichtstimmungen zu
Trägern innerer Bilder. Die mit einer Polaroidkamera entstandenen Fotografien sind eng mit
biografischen Erinnerungen des Künstlers und den Geschichten verbunden, die sich im Laufe
der Zeit um diese Erinnerungen legen.
Die Orte erscheinen nicht als eindeutige Dokumente, sondern als bewegliche Erinnerungsbilder,
in denen sich Nähe und Entfernung, Befreiung, Verlust und Sehnsucht überlagern. Gedruckt
auf japanisches Awagami-Papier und von Hand mit Albumin beschichtet, erhalten die Arbeiten
eine fragile, zwischen Fotografie und Malerei oszillierende Oberfläche.
Hong Kong Romance
«Hong Kong Romance» entstand während eines längeren Aufenthalts des Künstlers in Hongkong.
Fotografische Ansichten von Architektur, Landschaft und urbanen Räumen werden mit Acrylfarbe
überarbeitet und in neue topografische Bildräume verwandelt.
Bäume, Blüten und vegetative Formen greifen in die fotografische Ordnung ein. Darin klingt
auch die Romantik des 19. Jahrhunderts an, in der Landschaft und Flora nicht nur als sichtbare
Natur, sondern als Ausdruck innerer Empfindung verstanden wurden. Die Arbeiten werden
so zu zeitgenössischen Tafelbildern eigener Art, in denen Fotografie, Malerei, Erinnerung
und subjektive Wahrnehmung ineinandergreifen.
Die Serie ist eine Liebeserklärung an Hongkong und zugleich der Versuch, eine Stadt zu erfassen,
die sich jeder abschließenden Beschreibung entzieht. Die Arbeiten wurden bereits in
Hongkong gemeinsam mit Werken von Fan Ho und Greg Girard gezeigt.
COSTUMES
Ausgangspunkt der Serie «Costumes» sind japanische Studiofotografien des späten 19. Jahrhunderts.
Die inszenierten Porträts von Geishas wurden ursprünglich als sogenannte Costumes in
grossen Auflagen für Reisende produziert und prägten wesentlich das westliche Bild Japans.
Thomas Gust überarbeitet diese historischen Fotografien mit Acrylfarbe. Die malerischen Eingriffe
lösen die Porträts aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang und übertragen sie in eine
zeitgenössische Bildsprache zwischen Geschichte, Abstraktion und kultureller Projektion. Die
Serie wurde bereits auf der Photo Basel und der Kunst-RAI Amsterdam gezeigt.
Gemeinsam entfalten die drei Werkgruppen ein Spannungsfeld zwischen der Flüchtigkeit des Polaroids,
der Transformation topografischer Bildräume und der malerischen Neudeutung historischer
Fotografien. Fotografie erscheint dabei nicht als unveränderliches Dokument, sondern
als lebendiger Speicher, in dem persönliche Erfahrung, Geschichte, Material und Kunst immer
wieder neu zueinanderfinden.
Wann
Donnerstag, 26. Nov. 2026, 18:30 Uhr
Oder nach Vereinbarung.
Wo
Galerie 94
Merker-Areal
Bruggerstrasse 37
5400 Baden
Veranstalter
Galerie 94
Sascha Laue
Merker-Areal
Bruggerstrasse 37
5400 Baden
info@galerie94.ch
+41 79 416 92 43
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Weitere Termine
Astrid Krehan – The Journey & Thomas Gust – Appearance
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