(CONNECT) Der Geigenbauer Antonio Stradivari hat in seiner Blütezeit Fichtenholz aus „hochgelegenen alpinen Wäldern, insbesondere" aus dem Fleimstal verwendet. Das fand eine internationale Studie anhand einer Jahresringanalyse bei 284 authentischen Stradivari-Geigen heraus. Laut einer Mitteilung handelt es sich um „die umfangreichste dendrochronologische Untersuchung, die jemals zum Werk des Meisters aus Cremona durchgeführt wurde“. An der in der wissenschaftlichen Zeitschrift „Dendrochronologia“ veröffentlichten Studie war die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) beteiligt.
Die Forschenden haben 314 Jahrring-Zeitreihen von 284 der für ihre besondere Klangqualität berühmten Instrumente ausgewertet. Stradivari habe die besonders homogene Holzqualität „der Fichten systematisch" ausgewählt, welche infolge niedriger Temperaturen und kurzer Vegetationsphasen sehr dünne und regelmässige Jahrringe aufweisen. Dem Geigenbauer galten die Eigenschaften als „ideal“ zum Bau der Resonanzböden, so die Mitteilung.
Auch von weiteren norditalienischen Geigenbauern im 18. Jahrhundert sei bekannt, dass sie sich auf Holz der hochgelegenen Fichtenart Picea abies zum Geigenbau konzentriert haben. „Nun konnten wir dank der Analyse von hunderten Stradivari-Geigen zeigen, dass der Meister in seiner Blütezeit fast nur noch diese Fichten verwendete“, wird Mauro Bernabei, Koordinator der Forschungsarbeit vom italienischen Consiglio nazionale delle ricerche, zitiert.
Weiter heisst es, dass an vielen Stradivari-Geigen „sehr ähnliche Ringsequenzen“ feststellbar sind. Nach Einschätzung des Forschers hat Stradivari „oft Bretter aus demselben Stamm verwendet, um verschiedene Geigen herzustellen, auch wenn sie im Abstand von mehreren Jahren produziert wurden“.
Die sorgfältige Auswahl der Holzart belege „ein sehr genaues Bewusstsein“ für die Holzeigenschaften und bestätige die Bedeutung alpiner Wälder für die Tradition des Geigenbaus in Cremona. ce/heg