(CONNECT) Forschende der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben einen neuen Ansatz entwickelt, um innere Vorgänge in Gletschern aufzuspüren. Um Spalten, Brüche und Hohlräume zu detektieren, verlegten sie in einem Pilotprojekt am Gornergletscher im Wallis ein Glasfaserkabel, heisst es in einer Mitteilung.
Die Forschenden um Thomas Hudson aus der Gruppe Environmental and Exploration Geophysics nutzen dabei die optischen Eigenschaften des Kabels: Ein Interrogator speist Lichtsignale in die Glasfaser und erfasst die zurücklaufenden gestreuten Signale. Tritt entlang des Kabelverlaufs wegen des Aufbruchs einer Spalte im Gletscher ein Minibeben auf, verändert sich die Reflexion des Lichts. Mit einem mathematischen Modell kann so berechnet werden, wo und in welcher Tiefe sich eine Veränderung im Gletscher vollzogen hat. Mit der Methode konnte das Innere des Gletschers bis in eine Tiefen von 25 Metern untersucht werden. Im Testfeld am Gornergletscher zeigten sich viele verborgene Spalten. Etwa 8 Prozent der Risse sind mit Wasser oder Luft gefüllt, 92 Prozent des Eises waren intakt. „Laien gehen davon aus, dass die grossen sichtbaren Spalten auf der Oberfläche etwas darüber aussagen, ob ein Gletscher stabil ist oder nicht. Die Wissenschaft geht jedoch davon aus, dass die Risse und Spalten im Inneren für die Stabilität des Eises massgebend sind“, wird Thomas Hudson in der Mitteilung zitiert.
Das Verlegen von Glasfaserkabeln ist kostengünstiger und weniger aufwendig als das Einbringen klassischer Seismometer. Die Forschenden gehen darüber hinaus davon aus, dass die Messergebnisse genauer sind. An den Arbeiten waren auch Forschende der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) aus Birmensdorf und der Universität Oxford beteiligt. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift „Science Advances“ publiziert. ce/ww