(CONNECT) Prof. Dr. med. Marc Donath vom Kantonsspital Baden (KSB) plädiert für ein Umdenken beim Verständnis des mit Übergewicht assoziierten Typ-2-Diabetes. Der Stellvertretende Leiter der Forschungseinheit Clinical Trial Unit des KSB hat gemeinsam mit einer internationalen Forschungsgruppe eine neue Sichtweise auf Typ-2-Diabetes entwickelt, informiert das KSB in einer Mitteilung. Der entsprechenden Studie zufolge müsste Typ-2-Diabetes nicht unbedingt als Krankheit, sondern eher als Schutzreaktion des Körpers auf einen chronischen Nährstoffüberschuss gesehen werden.
Bis heute zielen die meisten Therapien gegen Typ-2-Diabetes ausschliesslich auf eine Senkung des Blutzuckers oder die Verbesserung der Insulinwirkung ab. Künftige Therapien sollten jedoch auch darauf ausgerichtet sein, die Nährstoffüberlastung von Organen und Gewebe zu vermindern. Entscheidend sei nicht nur, „wie stark ein Medikament den Blutzucker senkt, sondern auch, ob es die Stoffwechselbelastung der Organe reduziert“, wird Donath in der Mitteilung zitiert. „Dieses Verständnis könnte die Entwicklung zukünftiger Therapien nachhaltig prägen.“ In der neuen Sichtweise würde eine Behandlung darauf abzielen, die Organe zu entlasten, die Stoffwechselbelastung zu senken und die Schutzreaktionen des Körpers zu unterstützen.
Den Erkenntnissen der Forschenden zufolge werden die natürlichen Schutzmechanismen des Körpers von neueren Medikamentenklassen wie GLP-1-Rezeptoragonisten oder SGLT2-Hemmern unterstützt. Bei älteren Therapien sei eine wirksame Senkung des Blutzuckers dagegen möglicherweise mit einer Erhöhung des metabolischen Stresses in einzelnen Organen verbunden. ce/hs