(CONNECT) Wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in einer Mitteilung informiert, ist am 29. Juni Gletscherschwundtag (Glacier Loss Day). Er kennzeichnet den Tag, ab dem die Gletscher mit jedem Liter geschmolzenem Wasser an Substanz verlieren. Im Jahr 2022, als in der Schweiz die bisher stärkste Gletscherschmelze gemessen wurde, fiel der Tag auf den 26. Juni. Damals war die Eisfläche um 6 Prozent geschrumpft. Die aktuelle Hitzeperiode könnte laut WSL dazu führen, dass der Rekordwert auch 2026 erreicht wird.
Weil es zu wenig geschneit hat im Winter, war die Schneedecke im April laut WSL „teils rekordtief oder bestenfalls für einzelne Gletscher durchschnittlich". Saharastaub im März und die aktuell hohen Temperaturen lassen das Eisvolumen extrem schmelzen. „Was noch an Schnee auf dem Gletscher liegt und ihn füttern könnte, ist durch das Schmelzen in den tiefer liegenden Bereichen bereits ausgeglichen“, wird Matthias Huss, Glaziologe an der WSL und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH), zitiert. Schrumpfende Gletscher wirkten sich aber auch positiv aus, indem das Schmelzwasser hilft, sinkende Wasserstände und steigende Wassertemperaturen auszugleichen - „zumindest, solange es noch genügend Gletscherfläche gibt“, so Huss.
Noch ist aus Sicht des Forschers der Rückgang an Schmelzwasser im Vergleich von 2003 und 2022 ein Einzelfall. „Noch verbergen die Schmelzraten, die seit 2022 jedes Jahr extrem hoch waren und auch im mehrjährigen Mittel seit 2003 deutlich steigen, diesen Effekt.“ Huss warnt aber davor, dass dies nur noch eine beschränkte Zeit anhalten könnte, „bis die Eismassen so klein geworden sind, dass selbst extreme Schmelzraten den Verlust an Masse nicht mehr auffangen können“. ce/heg