(CONNECT) Seit dem Jahr 2000 beobachtet die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) spontan auftretende Murgänge am Illgraben im Kanton Wallis. Laut einer Mitteilunghaben die Forschenden aus Birmensdorf nun zum ersten Mal nahtlos auf einer Strecke von zwei Kilometern Murgänge und die darin entstehenden Wellen aufgezeichnet. Bei einem Murgang kommt es zu einem flüssigen Erdrutsch. Dieser ähnelt einer schlammigen Flutwelle, die sich mit Geröll ins Tal bewegt. Dabei können sich meterhohe Wellen bilden, die schneller als der Rest des Geschiebes ins Tal gelangen. Die aktuell gewonnenen Daten geben dem Team neue Informationen über die Entstehung dieser Wellen und deren Verhalten, wenn sie über Wildbachsperren fliessen.
Bisher wurden meist nur einzelne punktuell gewonnene Daten von Murgängen gesammelt, denn die dafür notwendigen Messstationen sind schwer anzubringen. Um die Bildung der Wellen wirklich zu verstehen, werden jedoch Daten entlang des gesamten Murgangs gebraucht. Die Forschenden der WSL haben deshalb eine andere Messtechnik verwendet. Die Flutwellen eines Murgangs übertragen Schwingungen auf den umliegenden Boden. Eine Serie von Geofonen, die entlang des zwei Kilometer langen Bachbetts installiert wurden, können derartige Veränderungen des Bodens aufzeichnen. Die speziellen Instrumente wandeln mechanische Bodenschwingungen in elektrische Signale um. „Diese neue Messmethode ermöglicht ein vollständigeres Bild von Murgängen", wird Christoph Wetter, Geophysiker an der WSL, in der Studie zitiert. „Diese neue Messmethode ermöglicht ein vollständigeres Bild von Murgängen,“ sagt Wetter weiter.
Die Messergebnisse zeigen, dass die Schlammwellen eines Murgangs zunächst klein beginnen und sich dann in ihrem Verlauf riesig auftürmen. Dabei trägt eine Wildbachsperre nicht zu einer Abschwächung dieser Fluten bei. Dies sei auch nicht ihre Aufgabe, so die Mitteilung. Die Wildbachsperre diene vielmehr dazu, die Flut zu lenken und das Bachbett zu stabilisieren. Mit den gewonnenen Ergebnissen erhoffen sich die Forschenden, zukünftig einen besseren Schutz für Orte und Häuser in der Nähe von murgangführenden Wildbächen zu realisieren. Die Studie wurde aktuell im Fachjournal „Engineering Geology“ veröffentlicht. ce/eb